Fast-Food im Java-Zeitalter
Jürgen Beckmerhagen
In meinem Vortrag rede ich über Dinge, von denen ich eigentlich keine Ahnung habe: Über Fast Food im Sinne von Burger & Co. und über Java im Sinne von Enterprise-Anwendungen. Mir als Anwender, Projektleiter und Software- Entwickler der alten Schule (Assembler, C, Objective-C) will sich diese Welt nicht erschließen. Sagen wir ganz einfach: Ein Burger und Java sind mir zu komplex.
So mache ich mir nicht die Mühe, zu ergründen, was in so einem Fleisch-, Fisch-, oder Software-Burger alles drin steckt! Wahrscheinlich sind es nur beste, klinisch reine Zutaten - so kann ich es zumindest in "Fachzeitschriften" nachlesen. Aber darauf kommt es ja gar nicht an: Schließlich muss heutzutage alles schnell gehen - das Essen und das Softwareprojekt. Und schnell heisst: Wiederverwenden was führende Software- Unternehmen und Open Source Communities empfehlen. Und wenn der Fettring zu dick wird, dann gehen wir eben auf's agile Laufband.
Mich schrecken die Symptome des technischen Fast Food Zeitalters ab: Gestresste und im Gesamtbild träge Menschen und IT-Infrastrukturen. Wollen Sie ein Softwareprojekt völlig zum Erliegen bringen, so statten sie es gleich am Anfang mit reichlich finanziellen Mitteln aus. Der Patient / die Anwendung stirbt so garantiert einen frühen Herztod - einen "natürlichen Tod".
In globalen Bildungssystemen wird überwiegend die Wertschätzung für wissenschaftliche Leistungen Anderer gelehrt, anstatt heranwachsenden Menschen ein Verständnis für die grundlegenden Probleme zu vermitteln und sie zum Experimentieren zu ermuntern. Selber kochen und selber programmieren sind schon längst keine Alternativen mehr. Dafür, so wird uns suggeriert, haben wir keine Zeit und die Ergebnisse wären ohnehin nicht so gut wie die großer Unternehmen und Open Source Communities.
Diese Wertschätzung für Leistungen Anderer wird von cleveren Marketingabteilungen der Software- und Fast-Food-Lieferanten schamlos ausgenutzt. Hinzu kommt, dass auf Anwender-Seite die Entscheidung für oder gegen eine Technologie oft von Menschen getroffen werden, die nie zuvor mit dem Problemfeld des Anwenders und des Entwicklers intensive Erfahrungen gesammelt haben.
In diesem Sinne: Guten Appetit. Wir sehen uns im Fitness-Studio und im Lehrgang über Agile Software-Entwicklung.
P.S.: Mich verbinden mit C1-WPS kulinarische Genüsse sowohl im Nahrungs- als auch im Software-Bereich, weshalb ich diesen Vortrag gerne im Rahmen einer C1-WPS- Veranstaltung halte.
